Regierungspräsident überreicht Genehmigungsurkunde
(AZ vom 20.12.2005) Kaufbeuren (avu). - Regierungspräsident Ludwig Schmid hat gestern den Startschuss für die neue Kaufbeurer Bürgerstiftung gegeben. Er überreichte Oberbürgermeister Stefan Bosse die Genehmigungsurkunde. Damit werden die Geschicke der Stiftung künftig vom sechsköpfigen Stiftungsvorstand mit dem designierten Stiftungsvorsitzenden Johann Marschall bestimmt. Die Erträge sollen Vorhaben in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zugute kommen - von der Kultur, über den Naturschutz bis zur Jugend- und Altenpflege.
Unter den 15 Gründungsstiftern finden sich Unternehmen und Privatpersonen, aber auch beispielsweise die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die über eine Blutspendeaktion und die Betriebskasse Mittel beigesteuert haben. Aktuell beträgt das Vermögen der Bürgerstiftung laut Stadtkämmerer Markus Pferner 75 600 Euro. Der Grundstock wird künftig nicht angetastet, lediglich über die Verwendung der Erträge entscheidet vermutlich einmal im Jahr der Stiftungsvorstand, der sich erstmals im Januar zu einer regulären Sitzung trifft.
Regierungspräsident Ludwig Schmid war für den Festakt im Rathaus extra nach Kaufbeuren gekommen - eine Ausnahme bei einem solchen Anlass. Angesicht der großen Zahl der Gründungsstifter und des Engagements sei dies für ihn aber selbstverständlich gewesen. Schmid prognostizierte eine weitere Verschärfung der öffentlichen Haushaltslage und nannte die alternative Finanzierung von Vorhaben eine gute Möglichkeit, „damit diese Aufgaben nicht wegfallen“. Vorteil der Kaufbeurer Bürgerstiftung sei neben der unbürokratischen Handhabung die große Bandbreite bei der Verwendung der Mittel. Geld kann so in fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens fließen.
Die Bürgerstiftung bezeichnete Schmid als gute Möglichkeit, Geld sinnvoll anzulegen - aus ganz unterschiedlichen Gründen. „Die einen wollen Steuern sparen und trotzdem Gutes tun“, so der Regierungspräsident. „Andere möchten sich mit ihrem Vermögen einfach nur engagieren.“ Wer sein Geld in eine Stiftung einbringe, habe die Gewissheit, dass es - anders als bei einer Spende - erhalten bleibe, denn nur die Erlöse des Stiftungsvermögens würden ausgeschüttet. Freilich sei es auch möglich, Geld als „vergängliche“ Spende - zweckgebunden oder nicht - auf die Stiftungskonten einzuzahlen. Der Regierungspräsident forderte die Öffentlichkeit auf, sich in dieser Form zu engagieren, „Idealismus und Gemeinsinn“ zu zeigen. Ihm persönlich gehe es dabei weniger um die finanzielle Dimension des Vermögens, sondern mit Verweis auf die Präambel der Satzung um die gesellschaftliche Bedeutung. Darin heißt es: „Die Bürgerstiftung Kaufbeuren will erreichen, dass Bürger sowie Unternehmen der Stadt und der Region Kaufbeuren Initiative zeigen, sich für das Gemeinwohl einzusetzen und Verantwortung für das Heute und für die Zukunft in Kaufbeuren zu tragen.“
Oberbürgermeister Stefan Bosse sieht derzeit sogar eine „Renaissance des bürgerschaftlichen Engagements“, in die eine Einrichtung dieser Art hervorragend passe. Der designierte Stiftungsvorsitzende, Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Johann Marschall, bat alle, in ihren jeweiligen Bereichen „die Werbetrommel für die Stiftung zu rühren“.
Wer zustiften oder spenden (dann eventuell mit Verwendungsangabe) möchte, kann dies auf folgenden Konten der Bürgerstiftung tun: Sparkasse Kaufbeuren, Kontonummer 10 900, BLZ 734 500 00; oder Raiffeisenbank Buchloe-Kaufbeuren-Marktoberdorf, Kontonummer 87 600 3, BLZ 734 600 46. Informationen zur Bürgerstiftung gibt es auch bei Stadtkämmerer Markus Pferner unter Telefon (0 83 41) 4370.