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Dienstag, 21. Januar 2020

Ansprache von Oberbürgermeister Stefan Bosse beim gemeinsamen Neujahrsempfang von Stadt Kaufbeuren und Bundeswehr am 20.01.2020

Ihnen allen ein gutes, gesundes und friedliches neues Jahr 2020. Traditionell eröffnete die Bundeswehr diesen Empfang mit der Begrüßung der Gäste, und Sie hat diesen schwierigsten Part der gesamten Veranstaltung hervorragend gemeistert.

 

Herzlichen Dank Herrn Oberst Dirk Niedermeier für das gute Miteinander in den vergangenen 2 Jahren. Sie waren ein immer positiv gestimmter Gesprächspartner, dessen verschmitzter Optimismus ansteckend ist. Ihnen alles Gute auf Ihrem weiteren Weg, der Sie über Köln nach Berlin führt. Ich weiß Sie Ihrem bisherigen Standort verbunden, es freut mich, dass Sie auch in Ihrer neuen Verwendung für Kaufbeuren mit zuständig bleiben.

 

Ihnen, sehr geehrter Herr Oberstleutnant Martin Langer sage ich ein Herzliches Grüß Gott. Ich heiße Sie an einem Standort mit Perspektive willkommen, wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren Aufgaben, hoffe, dass Sie die Zeit finden, die Stadt und die Umgebung kennen- und lieben zu lernen und freue mich auf viele gemeinsame Termine.

 

Ich begrüße Sie alle, sehr geehrte Damen und Herren ebenfalls herzlich zu unserem Empfang, auch namens meiner beiden Bürgermeisterkollegen Gerhard Bucher und Ernst Holy sowie des Stadtrates der Stadt Kaufbeuren.

 

Die TOP-Nachricht des vergangenen Jahres war für viele hier im Saal, und auch für mich ganz persönlich, dass unser Bundeswehrstandort erhalten bleibt und ausgebaut wird.

 

Und auch wenn ich in den letzten Jahren immer zuversichtlich war, dass wir Teile unseres Standortes, zumindest für lange Zeit, erhalten könnten, mit einer derart sensationellen Entwicklung konnte niemand rechnen.

 

Aber, wie hat schon Napoleon Bonaparte gesagt:

  • Die Hartnäckigen gewinnen die Schlachten.

Und wir waren hartnäckig. Wir haben unter anderem immer und immer wieder auf die Situation hier am Fliegerhorst hingewiesen. Und ich bin letztlich überzeugt dass diese Situation unserer Soldatinnen und Soldaten den Ausschlag gegeben hat, eine Lösung zu suchen, bei der wieder investiert, bei der Zukunft für die Bundeswehr gestaltet und nicht einfach ein immer fernerer Abzugstermin verwaltet werden kann.

Jetzt freuen wir uns auf die Feldjäger, auf das Sanitätsregiment, auf die Reservisten. Und wir hoffen, wünschen und arbeiten dafür, dass am Schluss möglichst viel Luftwaffe in Kaufbeuren bleiben kann.

Und wenn ich in das Gesicht von Oberst Niedermeier blicke, erkenne ich auch in dieser Frage einen verschmitzten Optimismus.

Meine Damen und Herren,

in all den Jahren der Ungewissheit waren wir nicht untätig. Auch wenn David Lloyd George sagt:  „Der Beweis von Heldentum liegt nicht im Gewinnen einer Schlacht, sondern im Ertragen einer Niederlage“, so wollten wir in diesem Sinne keine Helden sein, wir wollten diese Niederlage  nicht einfach ertragen:

Tatsächlich hat die Schließungsentscheidung im Jahr 2011 in Kaufbeuren enorme Kräfte mobilisiert, weil wir erkennen mussten, dass wir jetzt gemeinsam anpacken müssen, um diese schwierige Situation positiv zu gestalten.

Und die Leistungsbilanz der vergangenen 10 Jahre kann sich absolut sehen lassen, ich will nur einige Punkte nennen:

  • Flugsicherung in Kaufbeuren gehalten
  • B-12-Ausbau erreicht
  • Grünes Zentrum in Kaufbeuren eröffnet
  • Bayern-Lab, Landesamt für Finanzen und Außenstelle der Staatskanzlei angesiedelt

Heute attestiert uns Prognos in seinem Zukunftsatlas 2019, die drittstärkste Aufsteigerregion in ganz Deutschland zu sein. Das Handelsblatt hat getitelt: Kaufbeuren – Das Stehaufmännchen! Gegenüber dem letzten Zukunftsatlas 2016 haben wir uns um 106 Plätze nach oben katapultiert. Wir haben vor allem in folgenden Bereichen gepunktet:

  • Rückgang der Arbeitslosenquote
  • Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
  • Entwicklung Bruttoinlandsprodukt
  • Bevölkerungsentwicklung
  • Fertilitätsrate (Geburten je Frau)
  • Investitionsquote der Industrie (Investitionen im Verhältnis zur Bruttowertschöpfung)
  • Arbeitsplatzdichte  (Erwerbstätige je Einwohner)
  • Verschuldungsgrad der Kommunen (Schulden je Einwohner)
  • Wanderungssaldo Junge (18 -29 Jahre)

 

Bei Prognos haben wir Memmingen überholt.

 

Bei Focus Money haben wir Kempten hinter uns gelassen.

 

Dort sind wir im Landkreisranking 2019, das vor 2 Wochen veröffentlicht wurde, um 112 Plätze gegenüber 2017 nach oben geschossen. Und wir können bei Focus Money auch noch mit einem außerordentlichen Spitzenplatz aufwarten: Kaufbeuren hat bundesweit unter den Landkreisen und kreisfreien Städten den prozentual 4.stärksten Einwohnerzuwachs.

 

Ich will das alles nicht überbewerten, derartige Zahlen können sich schnell auch wieder ändern. Aber es zeigt uns dass wir auf einem guten Weg sind.

 

Trotzdem gibt es noch viel zu tun, wir müssen jetzt die wirtschaftliche Entwicklung und den Einwohnerzuwachs sichern und fördern, müssen den Wandel in der Mobilität gestalten, müssen Anpassungen an das sich verändernde Klima vornehmen, und wir müssen immer innovativer und schneller sein als unsere Wettbewerber, die meistens über eine bessere Infrastruktur und mehr Geld verfügen.

 

Was bedeutet es für uns, schnell zu sein?

 

Lassen Sie mich dies beispielhaft anhand der der gewerblichen Wirtschaft herausgreifen. Wir begleiten die Unternehmen bei Ihren Entwicklungen und mit ganz hohem Zum Beispiel entstehen gerade 130 neue Arbeitsplätze bei einem Unternehmen im Gewerbepark Kaufbeuren. Den Bauantrag dazu haben wir am 17.12.19 erhalten. Bereits nach Vollständigkeit der Unterlagen wurde die fertige Baugenehmigung an das Unternehmen verschickt.

 

Was bedeutet es für uns, innovativ zu sein?

 

Im Bereich des Innovationsmanagements spielt das 100 / 10 / 3 Gesetz eine entscheidende Rolle: Von 100 Ideen sind 10 brauchbar und 3 schließlich umsetzbar. Innovative Unternehmen arbeiten deshalb systematisch daran, einen Ideenüberschuss zu erwirtschaften. Wie schafft man das?

 

  1. Man muss absolut aufgeschlossen sein, neugierig, interessiert und vernetzt. Innovationsfähigkeit ist eine Frage der Haltung!
  2. Man muss seine Mitarbeiter anstacheln, sich auf Neues einzulassen, bereit sein, Neues auszuprobieren. Und es muss erlaubt sein, dass dabei auch einmal Fehler passieren dürfen.
  3. Man muss sich mit neuen Themen beschäftigen und innovative Menschen treffen – wie wir dies mit unseren vielen Europa-,  Bundes- und Landes- Projekten seit über 10 Jahren tun.
  4. Je breiter man dabei Beteiligung anlegt, desto besser. Jeder Bürger, jeder Unternehmer, jeder Soldat, kann die entscheidende Idee bringen. Deshalb bedarf es einer offenen Kommunikations- und Beteiligungskultur, und die kann schon mal auch 24 Stunden am Stück erforderlich sein, um allen die Gelegenheit zu geben, sich einzubringen.
  5. Und dann muss alles, aber auch wirklich alles, auf seinen Nutzen und seine Umsetzbarkeit geprüft werden. Glauben Sie mir, unsere Stadtverwaltung prüft Jahr für Jahr Tausende von Vorschlägen, die uns und mich auf den verschiedensten Kanälen erreichen. Und wenn immer möglich melden wir auch zurück, das möglich ist und umgesetzt wird, und was aus welchem Grunde nicht geht.

(Ich habe das hier vor mehr als 10 Jahren schon einmal als Innovationstrichter, erklärt, im dem steckte damals gerade eine Christusstatue fest … Inzwischen haben Tausende von Vorschlägen diesen Trichter passiert!)

 

Die 100 / 10 / 3 Regel gilt auch für die Vorschläge von Politikern, natürlich auch für meine eigenen. Die werden von der Stadtverwaltung ebenfalls auf Herz und Nieren geprüft, und wenn ich Glück habe halte ich die 3%-Umsetzungsquote. Die 97% hänge ich übrigens nicht in ein Schaufenster, warum sollte ich das auch tun?Aber es gibt auch Politiker, die jede Idee öffentlich machen. Und natürlich öffentlich ihrer Enttäuschung Ausdruck verleihen, wenn sie nicht umgesetzt wird…

 

Was gut und machbar ist wird sofort umgesetzt, keine Frage. Aber manchmal stehen nicht alle Ampeln auf Grün, manchmal braucht ein Vorhaben auf Zeit, bis sich ein window of opportunity öffnet.

 

Auch dafür will ich Ihnen ein Beispiel nennen: Jedes Jahr erreichen mich etwa 10 Vorschläge, Kaufbeuren möge sich doch einmal füreine Landesgartenschau bewerben. Aber dafür braucht man eine ausreichend große Fläche, die der Kommune zur Verfügung steht, und die zumindest großteils dauerhaft als Grünanlage entwickelt und erhalten werden soll.

Das hatten wir bisher nicht.

 

Wenn aber, wie angekündigt, die Bundeswehr ihren Flächenbedarf auf dem Fliegerhorst identifiziert hat, dann soll die verbleibende Fläche im Süden freigegeben werden. Und für eine geordnete Stadtentwicklung benötigen wir dann Wohnungen und voraussichtlich weiter draußen auch Gewerbeflächen. Das alles könnte mit einem großzügigen Grüngürtel von der Kaserne abgeschirmt werden, der in einer landschaftlich atemberaubenden Lage mit Blick auf die Alpen entstehen könnte: Eine ideale Situation für eine Landesgartenschau!

 

Wenn also, wie es sich abzeichnet, die Ampeln auf grün gestellt werden, schlage ich dem Stadtrat vor, sich für eine Landesgartenschau zu bewerben.

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Sie sehen, es ist  viel in Bewegung, es wird viel gebaut und geplant, die Entwicklung der Stadt Kaufbeuren verläuft in sehr dynamischen, aber trotzdem sehr geordneten Bahnen.

 

Die Stadt Kaufbeuren ist dabei voll handlungsfähig, die Haushaltsdisziplin der letzten Jahre zahlt sich jetzt aus, wir können und werden weiter gestalten.

 

Mit Ihnen gemeinsam soll Kaufbeuren auch 2020 Tag für Tag ein Stück lebenswerter werden.

 

Ich danke Ihnen allen ganz persönlich für Ihren Einsatz, Sie, sehr geehrte Damen und Herren, halten mit Ihrem großartigen beruflichen und ehrenamtlichen Engagement unsere Stadt und unsere Gesellschaft zusammen.

 

Nachdem ich seit einigen Jahren am Ende dieser Ansprache immer für ein soziales Projekt werbe möchte ich Sie heuer auf unsere Teilnahme an der Initiative 1.000 Schulen für diese Welt ansprechen. Wenn wir, wie in Kaufbeuren aktuell, 30 Millionen Euro für die Sanierung und Erweiterung unseres Gymnasiums investieren, so könnten wir mit diesem Betrag etwa 600 Schulen in Entwicklungsländern bauen. Je Schule rechnet man mit etwa 50.000 Euro. Kaufbeuren fördert ganz konkret zusammen mit der evangelischen Christuskirche eine Schule in Tansania, an der ein ehemaliger Pfarrer der Dreifaltigkeitskirche arbeitet. Uns fehlen aktuell noch 20.000 Euro. Wenn Sie sich von dieser Idee angesprochen fühlen erhalten Sie gerne hier vorne bei Herrn Igel und Frau Dr. Angst weitere Informationen, wie Sie sich engagieren können.

 

Nun wünsche Ihnen im Jahr 2020 viel Kraft und Schwung für Ihre Aufgaben, Freude an Ihrer Arbeit und den verdienten Erfolg. Alles Gute aber auch für Sie persönlich und für Ihre Familien!

 

Das köstliche Buffet, das unsere Klinikküche für Sie vorbereitet hat, ist hiermit eröffnet!