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Oberbürgermeister Bosse

Oberbürgermeister Bosse

Dienstag, 21. Dezember 2021

Jahresrückblick 2021 von Oberbürgermeister Stefan Bosse

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

zur Einstimmung auf Weihnachten sind die Altstadt Kaufbeurens und das Zentrum von Neugablonz festlich beleuchtet und geschmückt. Zusammen mit vielen weihnachtlich dekorierten Häusern und Vorgärten verbreitet sich eine heimelige Atmosphäre, die Vorfreude im Advent schenkt.

Wenn wir auf die vergangenen Monate blicken, wird uns wieder bewusst, was uns allen abverlangt wurde. Ein winziges Virus bereitet uns bereits im zweiten Jahr große Sorgen. Vieles von unserem Denken und unserem Handeln wird durch diese Lage bestimmt. Der Krankheitserreger hat unsere Pläne durchkreuzt. Wir mussten auf vieles verzichten, auf das wir uns verdient gefreut hatten: Sportbegeisterung im Stadion, Tänzelfest, Kino, Theater und Konzert, Reisen, die Familienfeier zur Hochzeit und vieles andere mehr. Wir haben Monate der Schul- und Kita-Schließungen, der massiven Betroffenheit von Kulturschaffenden, Freizeiteinrichtungen, Gastgebern, Gastronomie sowie des Arbeitens im Home-Office, der Reise- und Kontaktbeschränkungen und der Quarantäne erfahren. Der Weg aus dieser Situation führt über das Impfen, das war mit dem Auftreten der ersten Impfstoffe klar. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir in einem Land leben, das allen Bürgerinnen und Bürgern solch qualitativ hochwertige Vakzine anbietet. Ich bin sicher, dass wir mit viel Hoffnung an das neue Jahr denken können.

Die Pandemie mahnt uns, wie verletzlich wir Menschen doch sind, wie kostbar das ist, was wir unser "normales Leben" nennen. Aber eine andere Erfahrung haben wir auch machen dürfen: Wie kraftvoll wir sind, wenn wir gegenseitig aufeinander achten und uns um Andere sorgen. Weihnachten in diesem Jahr – das ist erneut ein anderes Weihnachten. Selbstverständlich ein Fest der Hoffnung und Liebe. Doch gerade an diesen Tagen, an denen wir einander besonders nahe sein und lange vermisste Freunde und Verwandte treffen wollen, müssen wir in der vierten Welle weiter vorsichtig sein. Unsere Gedanken sind besonders bei den Menschen und Familien, die durch das Virus gesundheitlich oder auch wirtschaftlich getroffen wurden.

Danke für Ihre Leistung

Danken möchte ich allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sich in vielfältiger Weise durch ihren Beruf für die Gesundheit und die Betreuung von Menschen aller Altersgruppen in diesem schwierigen Jahr eingesetzt haben. Ein besonderer Dank geht an jene, die sich in ehrenamtlicher Weise für das Miteinander in unserer Gesellschaft engagieren, in dem sie zum Beispiel ältere Menschen unterstützen und sie hierdurch vor der sozialen Isolation bewahren.

Unsere Stadtgesellschaft hält zusammen, das haben wir mit großer Solidarität unter Beweis gestellt, als durch einen Brand in Gutwillen viele Menschen ohne Obdach und Habe buchstäblich auf der Straße standen. Auch unser Land ist zu unglaublicher Hilfsbereitschaft im Stande. Ich danke allen Hilfskräften und Blaulichtorganisationen in Kaufbeuren, die sich auf den Weg in Katastrophengebiete wie z.B. das Ahrtal machen und dort mit ihrer Tatkraft Zuversicht schenken. An allen anderen Tagen stehen sie zu diesem Dienst vor Ort bereit.

Was gab es heuer außer Corona?

Neben dem intensiven Corona-Krisenmanagement galt es für Stadtrat und Verwaltung unserer Kommune zahlreiche weitere Aufgabenstellungen zu erfüllen. Kaufbeuren bleibt einer der wichtigsten Standorte der Luftwaffe. Denn in diesem Jahr fiel die Entscheidung, dass auch die Ausbildung am Eurofighter in Kaufbeuren verbleibt. Das sind hervorragende Nachrichten aus dem Verteidigungsministerium für die Beschäftigten am Fliegerhorst. Für viele Menschen geht nun eine fast 10jährige Phase der Unsicherheit zu Ende.

Mit der Neuansiedlung der Firma Hirschvogel geht ein lang gehegter Wunsch der Stadtverwaltung in Erfüllung. Die neue Hirschvogel E-Solutions GmbH hat sich der Aufgabe verschrieben, die Zukunft der E-Mobilität bedeutend mitzugestalten und global erfolgreich ein wichtiger Systemlieferant für die Fahrzeugindustrie zu sein. Als neuer Mieter im Innovapark Allgäu der Firma Dobler lässt die Firmengruppe Hirschvogel spannende Arbeitsplätze im Bereich der E-Mobilität in Kaufbeuren entstehen.

Die Hochschule Kempten etabliert gerade in Kaufbeuren ein neues Technologietransferzentrum, kurz TTZ. Das Hauptthema ist „Prozessdaten-optimierte Fertigung“. Das neue TTZ befindet sich in Mietflächen im Neubau der Firma pro-micron an der Gottlieb-Daimler-Straße. Für das Unternehmen pro-micron ist dies bereits die zweite gute Nachricht in kurzer Zeit, nachdem das Unternehmen heuer mit dem Bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet wurde.

Wir arbeiten auch weiter an der Entstehung von zwei neuen Bahnhalten im Stadtgebiet und unterstützen den Ausbau der B 12. Die Starkregenereignisse in Deutschland diesen Juli haben erneut gezeigt, wie wichtig funktionierende Hochwasserschutzmaßnahmen sind. Mit geplanten und im Bau befindlichen Maßnahmen arbeiten wir insbesondere im Stadtteil Oberbeuren daran.

Im März ging die Organisation und Betreuung der beliebten Wochenmärkte am Donnerstag und Samstag an einen professionellen Betreiber über. Die Märkte bleiben städtisch und werden durch den neuen Dienstleister mehr in den Fokus gerückt und modernisiert.

Der neue Stadtrat und die Verwaltung arbeiten strukturiert und nachhaltig an der künftigen Entwicklung von Kaufbeuren. Nach dem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK), dem neuen Nahverkehrsplan für den ÖPNV und dem Fuß- und Radwegekonzept mit hunderten Verbesserungsmaßnahmen stehen nun der Rahmenplan für die Innenstadtentwicklung, ein gesamtstädtisches Mobilitätskonzept und eine Verkehrsverbundstudie im Allgäu im Fokus. Die Elektromobilität wird in Kaufbeuren durch fortschreitenden Ausbau der Ladeinfrastruktur unterstützt, und Wasserstoff als zukünftiger Energieträger spielt in gemeinsamen Projekten mit Partnern im Allgäu eine große Rolle.

Haushalt und kommende Investitionen

Die Stadt Kaufbeuren hat für die Jahre 2021 bis 2024 Investitionen in Höhe von insgesamt 136 Mio. Euro geplant. Davon sind 25 Mio. Euro für Straßen- und Kanalbau vorgesehen. Rund 8 Mio. Euro sollen in weitere Hochwasserschutzmaßnahmen fließen und uns so für die Herausforderungen des Klimawandels wappnen. Große laufende Projekte sind weiterhin die Generalsanierung des Jakob-Brucker-Gymnasiums, der Ausbau der Gustav-Leutelt-Schule zur Ganztagsschule, sowie Neubau, Umbau, Sanierung und Erweiterung von Kindergärten. Mit vielen Maßnahmen und Schritten geht die Digitalisierung unserer Verwaltung und der Schulen im Sachaufwand der Stadt Kaufbeuren voran. Hierzu sind 7 Mio. Euro Investitionen in unsere EDV-Infrastruktur vorgesehen. Auch im Jahr 2021 waren die geplanten Investitionsvorhaben teilweise von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. So konnten Bauvorhaben leider nicht in der gewünschten Geschwindigkeit oder nur mit erhöhtem Kostenrahmen ins Werk gesetzt werden.

Das Jahr 2022 wird finanziell gesehen kein einfaches Jahr für die Kommunen. Gewerbesteuerausfälle, geringere Anteile am landesweiten Steueraufkommen sowie erhöhte Aufwendungen für die Corona-Maßnahmen werden das städtische Finanzbudget strapazieren. Das wird insgesamt dazu führen, die zu leistenden Aufwendungen einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Wichtig ist, dass sich die Wirtschaft im nächsten Jahr erholt und fehlende Einnahmen zumindest anteilig kompensiert werden können. Fachkräftemangel und Probleme in den Lieferketten sind weiterhin die großen Herausforderungen vieler Wirtschaftsbereiche.

Isaac Newton sagte einst: „Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenige Brücken“. Eine 300 Jahre alte Aussage, die klingt, als beschreibe sie das Heute. Nach 75 Jahren, in denen die Menschen in Europa Brücken gebaut haben, nach 75 Jahren des Wohlstandes, der Versöhnung und der Freundschaft, nach 75 Jahren, in den wir sogar einen Eisernen Vorhang eingerissen haben, scheint es erneut so, als wollten nicht wenige Menschen die Brücken abbrechen und stattdessen wieder Mauern errichten. Unsere Städtepartnerschaften setzen wir ihnen entgegen, denn sie sind die Brücken, die wir in die Welt gebaut haben – und je mehr wir an diesen Brücken bauen, desto weniger Steine bleiben für die Mauern übrig. In diesem Sinne feierten wir unsere Städtepartnerschaft mit Ferrara und werden kommendes Jahr die Partnerschaft mit Szombathely begehen, beides zum 30jährigen Bestehen. Auch das Jubiläum „Neugablonz 75 plus 1 Jahre“ sehe ich unter diesem Motto. Besonders freue ich mich, dass Altbundespräsident Joachim Gauck sein Kommen zum geplanten Festakt und Bürgerfest Neugablonz im September 2022 zugesagt hat. Mit dem Tag der Bundeswehr steht uns im Juni 2022 zudem eine Großveranstaltung der Superlative am Fliegerhorst ins Haus.

Ich wünsche Ihnen allen ein schönes und friedvolles Weihnachtsfest. Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen alles Gute, Gesundheit, Glück und Erfolg - und Gottes Segen für uns und unsere Stadt Kaufbeuren. 

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Stefan Bosse

Oberbürgermeister