Foto: Monika Ecker
Dienstag, 9. Juni 2026
Im städtischen Kinderhaus Blattneiweg beschäftigen sich die Kinder derzeit mit einem besonderen Projekt rund um die Geschichte von Neugablonz. Dabei lernen sie nicht nur etwas über ihren Stadtteil, sondern auch darüber, woher dieser kommt und was den Ort bis heute prägt. Im Mittelpunkt steht der Rüdiger-Brunnen, ein Stück Heimatgeschichte, das eng mit dem früheren Gablonz in Tschechien verbunden ist.
Neugablonz entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele vertriebene Sudetendeutsche aus dem ehemaligen Gablonz an der Neiße in den Raum Kaufbeuren kamen. Mit ihnen veränderte sich handwerkliches Können und Traditionen, die den neuen Stadtteil entscheidend mitprägten. Besonders die Schmuck- und Glasindustrie entwickelte sich in Neugablonz weiter und wurde zu einem wichtigen Teil der Ortsgeschichte.
Auch der Rüdiger-Brunnen erzählt von dieser Verbindung zur alten Heimat. Die Figur stammt von Franz Metzner und stand ursprünglich in Gablonz an der Neiße. Später wurde sie nach Neugablonz gebracht, wo sie seit vielen Jahren als bekanntes Wahrzeichen neben der Herz-Jesu-Kirche steht. Für viele Menschen steht der Rüdiger bis heute symbolisch für den Neuanfang in Bayern und die bewahrte Verbindung zur Vergangenheit.
Genau mit dieser Geschichte setzen sich nun auch die Kinder im städtishen Kinderhaus Blattneiweg auseinander. Aus Pappmaché basteln sie eigene Figuren, die an den Rüdiger erinnern. Begleitet wird das Projekt von Monika Ecker, Pädagogin des Kinderateliers der Einrichtung, die den Kindern über die Zeit des Krieges, über Veränderungen in der Heimat und über das Leben der Menschen damals erzählt. So entsteht für die Kinder ein altersgerechter Zugang zu einem wichtigen Kapitel der Ortsgeschichte. „Ich habe ihnen erzählt, dass die Menschen aus ihrer Heimat vertrieben wurden. So etwas passiert heutzutage immer noch und wir können uns glücklich schätzen, dass wir in Sicherheit leben“, sagt Monika und erzählt: „Jetzt sitzen die Kinder zusammen beim Basteln und überlegen sich, was sie mitnehmen würden, wenn sie von jetzt auf gleich aus ihrem Haus verschwinden müssten.“
Das Projekt wird auch öffentlich sichtbar sein. Vom 13. bis einschließlich 19. Juni gibt es die Möglichkeit, die gebastelten Figuren in den Schaufenstern des Musikcafé Times Square in Neugablonz zu sehen. Der Besitzer, Ralf Szidat, hat sich für diese Aktion sofort bereit erklärt und seine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Ihm liegt die Geschichte des Stadtteils sehr am Herzen, weshalb man den Rüdiger auch in seinem Logo wiederfindet. Gezeigt werden in dieser Zeit außerdem auch Schmuckstücke wie Armbänder oder Ketten gefertigt aus original Neugablonzer Perlen, die die traditionsreiche Vergangenheit des Stadtteils veranschaulichen.
Mit dem Projekt wollen die Erzieherinnen den Kindern ein Stück Heimatgeschichte näherbringen. Gleichzeitig wird deutlich, wofür Neugablonz bis heute steht: Für Vertreibung und Neuanfang, für Handwerk und Erinnerung und für eine besondere Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
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