Städtepartnerschaften

Jablonec n. N. (Tschechien)

Deutsche und Tschechen verbindet auf dem Territorium der heutigen Tschechischen Republik eine Jahrhunderte lange wechselvolle Geschichte. Miteinander bauten sie ein herrliches Land im Herzen Europas auf und schufen eine großartige Kultur; miteinander ertrugen sie auch die durch religiöse Zwistigkeiten ausgelösten Religionskriege. In der Neuzeit gelang es durch Kreativität und Fleiß den Menschen Arbeit und Brot zu geben. Blühende Ortschaften und Städte, bekannte Badeorte, bedeutende Wallfahrtskirchen, barocke Frömmigkeit und sprudelnder Erfindergeist, europaprägende Größen des Literatur- und Musiklebens, berühmte Schlösser und Burgen, bodenständiges Handwerk und innovativ ausgerichtete Industrie prägten und formten das Land.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges geriet das seit dem beginnenden Nationalismus des 19. Jahrhunderts angespannte Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen weiter in die Schräglage. Die Anlässe dazu werden Historiker vermutlich noch länger beschäftigen. Die Vertreibung aus der angestammten Heimat infolge des Nationalsozialismus, des verlorenen 2. Weltkrieges und die Auswirkungen der Benesch-Dekrete, entwurzelten ungezählte Menschen. Schutz- und rechtlos und ledig ihrer Habe gelangten die Überlebenden schließlich überwiegend nach Bayern.

So entstand in den folgenden Jahren in Kaufbeuren der Stadtteil „Neugablonz“. Mit dem ihnen eigenen Fleiß und bemerkenswerter Tatkraft schufen sich Heimatvertriebene aus Gablonz a.d.Neiße und Umgebung eine neue Heimat. Mit ihrem Können lebten z. B. die „Gablonzer Schmuckindustrie“, das Bäcker- und Fleischerhandwerk weiter; im Heimatkreis, im „Gablonzer Haus“ mit seinem Isergebirgsmuseum, in der Herz-Jesu-Kirche und in vielen anderen Hinweisen wie Straßen- und Platzbezeichnungen blieb die alte Heimat in den Herzen der Menschen „trotz allem“ verwurzelt.

Trotz dem erlittenen Leid riss die Verbindung in die alte Heimat nicht ab: Es gab sie ja: Freunde, Nachbarn, Bekannte und Verwandte und ehemalige Arbeitskollegen. Auf verschiedensten Ebenen fanden gegenseitige Besuche und Begegnungen statt, abseits der ungelösten Fragen der „großen Politik“. Auch die Wahrnehmung sudetendeutscher Interessen einerseits und die Beharrung auf den Benesch-Dekreten auf der anderen Seite beeinträchtigte nicht den Kontakt zwischen den Menschen und blockierte nicht den Wunsch, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Der Vorschlag anfangs der 90er Jahre, mit Jablonec n.N. / Gablonz a.d.N eine Städtepartnerschaft zu begründen, kam zu früh. Aber seither haben die Verbindungen und der vielseitige Austausch zwischen Kaufbeuren und Jablonec n.N. / Gablonz a.d.N. eine dynamische Entwicklung erfahren. Dass die Schuljugend mit aufgeschlossenen und weitblickenden Lehrkräften auf diesem Weg zur Städtepartnerschaft voran ging, stimmt hoffnungsvoll.

Im Frühsommer 2009 erreichten die politischen Kontakte zwischen beiden Städten das Stadium, auf dem eine Entscheidung möglich war. Die Stadt Jablonec n.N. beschloß am 18. Juni 2009 einstimmig, Kaufbeuren die Städtepartnerschaft anzubieten. Der Kaufbeurer Stadtrat reagierte darauf am 21. Juli 2009 mit der ebenfalls einstimmigen Entscheidung für eine Städtepartnerschaft.

Formal wurde die Städtepartnerschaft am 26. September 2009 in Jablonec n.N. mit der Unterzeichnung der Urkunde durch die Oberbürgermeister Petr Tulpa und Stefan Bosse besiegelt. Kaufbeuren, das zu diesem festlichen Anlass mit einer großen Delegation aus Vertretern der Parteien, des Städtepartnerschaftsvereins, von Schulen und Museen angereist war, lernte eine Stadt kennen, die sich aufgeschlossen zeigte für eine gemeinsame Zukunft im freien Europa.

Es ist nun Aufgabe des Städtepartnerschaftsvereins, alle Kräfte zu mobilisieren, alle Initiativen zu unterstützen und zu vernetzen, die diese Verbindung zwischen den Städten sich zum Anliegen machen und mit Leben erfüllen. Es gibt letztlich keine vertretbare Alternative zu dem nun offiziell eingeschlagenen Weg der Begegnung der Menschen. Furchtbar Erlittenes, Unrecht und Vertreibung, bleiben Betroffenen für immer im Gedächtnis. Aber Schicksalsschläge im Geist menschlicher Stärke und christlicher Versöhnung anzunehmen, öffnet den Weg nach zwei Seiten: Zu erneut bereichernder Begegnung mit der Vergangenheit und zum Miteinander in Europa.

Oberbürgermeister Stefan Bosse: „Kaufbeuren und Gablonz stellen sich mit der Partnerschaft ihrer besonderen Verantwortung, für Frieden, Freiheit und Toleranz in einem gemeinsamen Europa aktiv einzutreten.“ Dass Jablonec / Gablonz dazu bereit ist, zeigt nicht nur der Schritt auf Kaufbeuren und die ehemaligen Gablonzer Mitbürger im Stadtteil Neugablonz zu, sondern auch seine Kontakte zu Partnerstädten in Polen, in Sachsen, in Belgien und Italien.

Doch letztlich, so Bürgermeister Ernst Holy, Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins, wird es darauf ankommen, ob die Menschen hier und in Jablonec / Gablonz a.d.Neiße bereit sind, geduldiges Papier zum Leben zu erwecken. Der Verein zur Pflege der Städtepartnerschaften Kaufbeuren werde jedenfalls das Seinige dazu tun.

Bürgermeister: Petr Beitl – seit November 2010, Wiederwahl Dezember 2014

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